Dosenbarf wäre ideal

Oktober 13, 2008 at 5:07 pm (katzen) (, , , , )

600g Hühnerbrust
500g Rindersuppenfleisch
460g Rinderherz

10g Dorschlebertran
10g easy B.a.r.F.
0,213g Seealgenmehl
3,120g Bierhefe
31,105g Weizenkeimöl
3,120g Knochenmehl (Ca/P 35,3/15,8)
15,015g Calciumcitrat (21,1%)
2,20g Taurin
51g Leinöl
73g Olivenöl
78g Karotte
790g Wasser
Und zwei Stunden Zeit.

Ergibt Futter für 11 Tage.

Dosen aufmachen war einfacher. In zweierlei Hinsicht: praktisch und emotional.
Hin und her ging es in diesen zwei Stunden. Mal mit Überzeugung auf die dritte Nachkommastelle genau abgewogen, mal innerlich geflucht und mich selbst ausgelacht und einfach auf Zehntel gerundet.

Und am Ende eine unangenehme Unsicherheit. Und wieder der Gedanke ans Dosenfutter. Damit macht man sich nämlich nicht Gedanken wie
“Uiuiui, das Calciumcitrat ergibt aber einen ganz schönen Haufen!” oder
“Herrje, jetzt hab ich hier fast die vierfache Menge Vitamin D3 als ich eigentlich haben sollte und bekomm das über die Supplemente nicht ausgeglichen!!! Ahh!!!” oder
“Mist, mir fehlen drei mg Fortain und ich hab keins im Haus…” oder
“Ich weiß, ich sollte tierische Fette bevorzugen, aber in deren Ermangelung müssen es eben Lein- und Olivenöl tun.” oder
“Was ist eigentlich, wenn beim Essen die Flüssigkeit nicht mit verputzt wird und die mühsam abgewogenen Supplemente gar nicht in den Katzen landen?” oder
“Sollte ich sauerem Harn vorbeugen und besser Carbonat nehmen, um den pH-Wert im Alkalischen zu halten?”…

Wenn man aus der Dose füttert läuft man auch nicht Gefahr, es persönlich zu nehmen, wenn die Viehcher nicht aufessen oder gar erst mal ausgiebig die Nasen rümpfen, bevor der Hunger ein bisschen was reintreibt. Schließlich hat man nicht selbst gekocht.
Und wenn man Menschen bekocht endet es nur äußerst selten in solch einem Desaster: Menschen denken, sie müssen “höflich” sein, Katzen denken da nicht, sie sind, wie sie sind: ehrlich.
Manchmal auch schonungslos ehrlich.

Da hat man dann also irgendwann 22 Döschen im Tiefkühler und stellt fest: man bräuchte eigentlich noch 44 weitere, mit zwei anderen Rezepturen. Man will ja selbst auch nicht eine Woche lang tagtäglich das gleiche Essen.

Und wenn dann der Tiefkühler zu ist und man weiß, dass man zwar was getan hat aber dennoch nicht zufrieden ist, muss der Blick unweigerlich auch noch über das Schlachtfeld wandern, das sich da Küche nennt.

Fette und Öle schmieren sich schmierig wie Jura-Studenten in der Brunft, geraspelte Möhren kleben, wo man gar nicht geraspelt hat und Supplementstaub überzieht die Kochlandschaft wie der erste zarte Reif im November die Auen.

Das große Fressen hingegen inszenieren die beiden Hauptakteure weitaus weniger pompös:
Ran an die Buletten, den Boden in rot-gelbe Supplementsoße tränken, ein paar Anstandsbrocken in den Näpfen lassen und sich wieder verziehen.
Beim Zubereiten standen sie satte eineinhalb Stunden dabei und erzählten ausführlich von der Grummelei in der Katzenmagengegend, die halbe Stunde Abwasch scheint sie nun weitaus weniger zu interessieren.
Saubande.

Vielleicht sollte man doch einfach Dosen aufmachen?
Ohne Angst vor Mangelernährung.

Vielleicht aber auch nicht.
Mal sehen.

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